Meschede ist in seinem Element

Wasser ist das verbindende Glied in der neuen Innenstadt, die nach dem Umbau kaum mehr wiederzuerkennen ist. Die Stimmung hat sich verändert

Wo früher eine unansehnliche Betonplatte lag, plätschert nun die Henne offen dahin. Und Bürger verweilen auf Bänken – Foto: Oliver Eickhoff

Wo früher eine unansehnliche Betonplatte lag, plätschert nun die Henne offen dahin. Und Bürger verweilen auf Bänken – Foto: Oliver Eickhoff

Vielleicht würde man sagen: Meschede hat es aber auch nicht leicht gehabt. Es ist der Zweite Weltkrieg, mitten in der Stadt befinden sich die Honsel-Werke, damals eine Rüstungsschmiede. Bomben über Bomben prasseln auf Meschede nieder. Alles liegt in Schutt und Asche. Der Aufbau muss schnell gehen – schöne Städte haben eine andere Geschichte. 2011 wagen Planer einen radikalen Eingriff. Das Ergebnis zwei Jahre später ist beeindruckend. Meschede ist seit diesem Sommer nicht mehr wiederzuerkennen.
Die Henne, ein Fluss, plätschert jetzt offen durch die Innenstadt. Menschen sitzen auf Bänken und auf Stufen am Wasser, Kinder laufen durch das Nass. Hier war früher eine hässliche Betonplatte, auf der Autos geparkt haben. „Meschede – eine Hochschulstadt am Fluss“ nennen die Planer ihr Ergebnis stolz. Und das ist noch nicht alles: Endlich gibt es am Kreishaus einen großen Park mit Spielgeräten und Kunst. Auch durch ihn schlängelt
sich die Henne. Verbunden ist er mit dem Zentrum über den Henne-Boulevard. Künftig wird dieser Weg bis hinauf zur Talsperre führen. Auch dort ist Großes geplant.
56 Meter soll sie hoch werden, die „Himmelstreppe“. Über sie sollen Spaziergänger den Hennedamm erklimmen können. Dort kommen sie künftig auf den „Scenic Walk“, eine Art Steg, der hinaus auf das Wasser führt. Und von dem aus eine künstliche Insel zu sehen
sein wird, die vom Festland abgetrennt und mit Kunstwerken versehen wird.
Wasser, immer wieder Wasser, ist das verbindende Element des neuen Meschedes. Die Planer aus der Stadtverwaltung erkannten das Potenzial früh, als sie sich 2009 mit Fachleuten zu einer Kreativwoche zurückzogen und Bürgerforen mit der Öffentlichkeit abhielten. Es durfte geträumt werden, zunächst fernab der beschränkten finanziellen Möglichkeiten Meschedes.
Die Regionale, das Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, und ein kleinerer Zuschuss des Hochsauerlandkreises haben den Umbau letztlich erermöglicht. Aus eigener Kraft hätte sich Meschede niemals so verwandeln können. Es waren die ausgefeilten Ideen der Planer aus der Stadtverwaltung, die die Geldgeber überzeugten. Mehr als elf Millionen Euro – das ist die Summe, die Meschede verwandelt hat. Die Stadt selbst muss einen Eigenanteil von drei Millionen Euro tragen.
Die Stimmung hat sich seitdem verändert. Es herrscht Optimismus, ein Wir-Gefühl. Neulich lag ein herrenloser Schuh an einer stark befahrenen Straße. Jemand hob ihn auf und hat ihn bepflanzt. Seitdem sind viele weitere Blumen-Schuhe hinzugekommen. Sie werden von Freiwilligen gegossen und gepflegt. Die Menschen sehen sie als Symbol für den Aufbruch in ihrer Stadt.

Meschedes Bürgermeister Uli Hess – Foto: Jürgen Kortmann

Meschedes Bürgermeister Uli Hess – Foto: Jürgen Kortmann

Was war die größte Herausforderung beim Umbau?
Neben der Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen war es der Zeitfaktor. Von Anfang an war das Ziel klar definiert, bis Mitte 2014 alle vorgesehenen Maßnahmen aus den  Regionale-Projekten abgeschlossen zu haben. Das bedeutet vom ersten Projekt-Gedanken über die Planung bis hin zur baulichen Umsetzung ein straffes zeitliches Vorgehen.

Was könnten andere Kommunen von Meschede lernen?
Größtmögliche Transparenz ist insbesondere bei Projekten solcher Größenordnung unabdingbar. Mit der erfolgreichen Kombination von Städtebau, Gewässerbau und Tourismus ist Meschede hier beispielgebend für andere Kommunen, die sich inzwischen bereits am Mescheder Vorbild orientieren.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Ich bin stolz auf die ungemein gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und das große persönliche Engagement jedes Einzelnen. Stolz bin ich auch darauf, dass fast alle Bauleistungen von Firmen aus der Region erbracht wurden und darauf, dass es gelungen ist, trotz der angespannten Haushaltslage den finanziellen Eigenanteil der Stadt aufzubringen.

(Mit Bürgermeister Uli Hess sprach Oliver Eickhoff)

Quelle: Westfalenpost – Westfälische Rundschau, Lokalausgabe Meschede vom 09.09.2013

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