Innenstadt – Dritter Preis

CONTU R 2 Architektur und Stadtplanung mit Davids Terfrüchte + Partner, Essen

Zwei Flüsse

Idee
Die Ruhr, der grüne breite Strom der sich frei und selbstbewusst durch Meschede bewegt. Die Henne, die in einer steinernen Mauerfassung durch den Stadtkern geschleust wird.

Zwei Charaktere, die auch nach der Offenlegung der Henne bestehen bleiben und deren Unterschiedlichkeit die Grundidee für den Entwurf liefert.

Dazu zwei Boulevards und eine Promenade. Parallel gelegen und in Nordsüdrichtung verlaufend der neu entstehende HenneBoulevard und die Ruhrstraße, die zukünftig vielleicht mit der Ruhrbrücke, der Ponte Meschio zu einem Ruhrboulevard entwickelt wird. Und die parallel zur Ruhr verlaufende RuhrPromenade. RuhrBoulevard und HenneBoulevard urban geprägt. Die RuhrPromenade als Panorama auf den Fluss bezogen.

Wasser
Wasser spielt die leitende Rolle. Wasser bliebt immer im Blickfeld. Wasser wird mit seinen unterschiedlichen Qualitäten erlebbar gemacht.

Zunächst die gleitende, strömende, dominante Wasserlandschaft der Ruhr: Ein starkes offensichtliches Erlebnis für alle Sinne.

Dazu das subtilere, feinere, konzentrierte Erlebnis der Henne. Auf den zweiten Blick erschließt sich hier die verborgene Qualität. Am Geländer gelehnt Geräusche, Blicke, Gerüche wahrnehmen: Plätschern, Rieseln, Rinnen, Glitzern, Spiegeln, Glänzen, aufsteigende Kühle, Frische.

Zum Anfassen ein Wasserspiel auf dem HenneBoulevard.

Raum
Boulevards und Promenade ergeben zusammen mit den vorhandenen und angrenzenden Plätzen an der St. Walburga Kirche, vor der Sparkasse, dem Ruhrplatz am Bahnhof und dem Winzigerplatz an der Stadthalle, einen einladenden Freiraum.

Hervorragend an die öffentliche Verkehrsinfrastruktur und die Landschaftsräume im Osten, Süden und Westen angebunden, erweiterbar entlang der Promenade nach Osten und Westen, zum Rathaus, zur neuen Ruhrbrücke, zum neuen Wohnen am Rinnschen Park.

wissen,wasser,wandel@meschede.de – eine Hochschulstadt im Fluß.

Hier schlägt das historische wie auch das zukünftige Herz Meschedes. Hier treffen sich Alt und Jung, Studenten und Rentner, Gäste und Einwohner. Hier werden Impulse gegeben für die weitere Stadtentwicklung, Identifikationspunkte gesetzt, für eine integrierte Neunutzung der Stadthalle, für die Umnutzung des Finanzamtes, für die Integration der Fachhochschule in die Mitte Meschedes.

Verkehr
Alle Spuren für den motorisierten Verkehr werden als Ortbetonflächen mit einer sauberen Besenstrichoptik ausgeführt. So können die Lasten der Busse, LKW und PKW aufgefangen werden. Durch eine höhengleiche bzw. zu Entwässerungszwecken nur geringfügig abgesenkte Fahrbahn entsteht zusammen mit der hellen Oberfläche der Promenaden- und Boulevardflächen ein gleichmäßiger Eindruck. Leichte Nuancierungen in Farbe, Format, und Ausrichtung gliedern und strukturieren die Fläche und sorgen für klare Orientierung.

Die Bushaltestelle am Winziger Platz erhält ein Hochbord zum bequemen Einstieg und ein leichtes Dach für die wartenden Fahrgäste. Entlang des Henneboulevards werden 18 Stellplätze, an der Fritz-Honsel-Straße 19 Stellplätze angeboten. Auf der Nordseite des Finanzamtes gliedern geschnittene Hecken den Parkplatz, der mit später leicht wieder verwertbarem Pflaster der Boulevards belegt oder wahlweise als Schotterrasen ausgeführt wird.

Beleuchtung
Die Beleuchtung beschränkt sich auf die wesentlichen städtebaulichen und gestalterischen Schwerpunkte. Die Funktionalbeleuchtung wird durch schlichte Säulenleuchten im gesamten Bearbeitungsgebiet realisiert.

Auf der Ponte Meschio werden die Säulenleuchten paarweise platziert, um den starken Charakter dieses Ortes auch nachts hervorzuheben

Am Winziger Platz erhält die Henne umlaufend unterhalb der Mauerkrone als Streiflicht auf der Mauer eine Lichtaura, um die Gracht und den Wasserspiegel zu betonen. Der Hennebalkon wird durch eine zusätzliche filigrane Lichtlinie unterstrichen.

RuhrPromenade
Der sich durch das Ruhrtal ziehende RuhrtalRadweg, quert die Ruhr an der Brücke hinter der Stadthalle und wird zur Promenade. Ein vier Meter breiter kombinierter Rad/-Gehweg, belegt mit sandhellen hochwertigen Betonsteinen quert die Henne und weitet sich zu einem Ruhrbalkon. Einem Plateau, das sich über die Böschungskante der Ruhr und die Hennemündung schiebt. Bequeme, holzbekleidete Sitzmöbel, als Hockerbänke ohne Lehne und als StadtSofas mit Lehne bieten dem Passanten Platz zum Verweilen und die Gelegenheit, den Blick auf den ruhigen, grünen Fluss zu genießen. Dazu wird selbstverständlich der vorhandene Strauchbestand gerodet und die großen Buchen auf einem ebenen Rasenplateau freigestellt, das bis an den Böschungssaum reicht. Auf dem sonnigen Rasen oder im lichten Schatten der Bäume bieten sich schöne Orte zum Lagern oder man genießt den Fluss von wellenförmigen StadtLiegen aus. Lindenhochstämme in geschnittene Ahornhecken gestellt und eine flächige Begrünung der Rückseite der Stadthalle begleiten den Promeneur. Lichtstelen setzen Akzente in der Nacht.

Ponte Meschio
Die Mescheder Ruhrbrücke wird zum Foyer der Stadt. Sie lädt die mit dem Bus und der Bahn ankommenden Gäste herzlich ein, die Stadt zu besuchen.

Dazu wird die Brücke zum Platz über dem Fluss. Fußgänger und Radfahrer haben hier Vorrang, der motorisierte Verkehr wird auf einer markierten, aber höhengleichen Spur über die Brücke geführt. Ein quer zur Laufrichtung in unterschiedlich breiten Reihen verlegtes sandhelles Pflaster bildet den Grundrythmus. Die Fahrspur ist mit einer Ortbetondecke in Besenstrichoptik versehen. Paarweise auf beiden Seiten angeordnete Lichtstelen krönen die Brücke, unterstreichen die Ausrichtung in die Ruhrstraße und heben den starken Charakter dieses Ortes auch in der Nacht hervor. In die Flucht der Lichstelen reihen sich breite Hockerbänke, Verweilorte im Strom der Passanten. Jeweils im Süden und Norden markieren kleine baumbestandene Plätze die Brückenköpfe und laden mit gastronomischen Angeboten ein.

HenneBoulevard
Der HenneBoulevard zeigt sich als offene Abfolge von Platzflächen, schmalen Passagen und dem grachtartigen Lauf der Henne.

Westlich der Henne teilt sich der motorisierte Verkehr den Stadtraum mit Fußgängern und Radfahrern. Eine Verkehrsspur aus besengestrichenem Ortbeton fädelt sich höhengleich nach Süden.

Rotdornbäume begleiten diese Spur und nehmen unter ihr Dach die erforderlichen Stellplätze.

Am Winziger Platz öffnet sich die Baumreihe.

Hier wird die stadträumlich wichtige Querspange als Abfolge unterschiedlicher Plätze aus der Ruhrstraße zur Stadthalle geführt: Der Platz an der Von Stephan-Straße mit seinem hochaufragenden Maibaum. Der Platz mit dem Skulpturenensemble an der Sparkasse. Gegenüberliegend zentral ein neuer Platz mit springenden Wasserstrahlen nicht nur für spielende Kinder sowie einer Aussengastronomie. Der Stadthallenplatz mit einem schattigen Baumdach.

Auf dem östlichen Ufer begleitet eine sonnenbeschienene Fußpassage die Henne. Nördlich ragt ein Gebäude bis an die Henne heran. Ein auf stählernen Tragbalken aufgelegter Balkon weicht ihm aus und wird als Aussichts- und Gastronomieterrasse genutzt.

Die Henne zeigt sich als Stadtgracht. Auf einen breiten Werksteinsockel gesetzt, fasst ein leichtes Eisengeländer den Rand ein. Vor Kopf der Gracht bieten breiten Holzauflagen bequeme Armstützen.

Von allen Seiten zugänglich tritt man an den Fluss betrachtet das Spiel von Wasserkräuseln und Lichtreflexen, lauscht dem je nach Wasserstand variierenden Plätschern oder Rauschen, spürt die aufsteigende kühle Luft. Vielleicht kann man auch der Wasseramsel zusehen, die sich in den Ritzen der Gewässersohle ihre Nahrung sucht. Oder man beobachtet die jahreszeitlichen Veränderungen der spontanen Wasservegetation, dort wo die Grachtsohle zugunsten eines natürlichen Substrates teilweise geöffnet wurde.

Die vier Plätze vor den Köpfen der Grachtabschnitte variieren je nach Frequenz und Zentralität gestalterisch die Motive Begegnung und Information.

An der Fritz-Honsel-Straße empfangen eine schmale Hockerbank, hohe Fahnenmasten und ein flach liegender Tisch mit Informationen zur Stadtgeschichte die Passanten und geben ihnen eine kurze Möglichkeit zum Aufenthalt und zur schnellen Orientierung.

An der Zeughausstraße wird dieser Empfang neben der Hockerbank durch dekorative Baumkübel geleistet.

An dem deutlich stärker frequentierten Winzigerplatz und vor der Sparkasse laden breitere StadtSofas zum längeren Aufenthalt ein. Zum Beobachten der Flaneure, der spielenden Kinder.

Am Schnittpunkt von RuhrPromenade und HenneBoulevard entsteht ein asymetrischer Balkon, der den Blick freigibt auf das gegenüberliegende Ufer, am Zusammenfluss von Henne und Ruhr, von urbaner Stadtgracht und grünem Flusstal.