Innenstadt – Zweiter Preis

scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf

Konzept
Die Öffnung des im Stadtbild verloren gegangen Flusslaufs der Henne eröffnet außergewöhnliche städtebaulich-freiraumplanerische Perspektiven für die Innenstadt Meschedes.

Ziel des Entwurfes ist es, die Henne im Stadtbild wieder sicht- und erfahrbar und das Element Wasser aufs Neue erlebbar zu machen. Es entstehen attraktive Promenier- und Aufenthaltsräume: Der Henne-Boulevard wird zur städtischen Flaniermeile am Fluss und Nahtstelle zwischen den vorhandenen innerstädtischen Plätzen; die Ruhrpromenade als überregionale Fahrrad- und Wanderroute hat einen landschaftlichen Charakter, bietet weite Blickbeziehungen in das Ruhrtal und lädt ein, die innerstädtischen Uferwiesen in Besitz zu nehmen.

Eine einheitliche Material- und Ausstattungsqualität mit einer deutlichen Akzentuierung der Wasserläufe und Uferkanten unterstützt das Konzept.

Henne-Boulevard / Winziger Platz
Die vorgegebene Bündelung und Lenkung des Verkehrs ermöglicht neue Spielräume für die Verkehrsführung und Stadtraumgestaltung: Der ebenengleich ausgebaute Straßenraum wird als Mischprofil ausgebildet und ermöglicht eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer.

Die schmale, 3,50m breite, durch Pflasterbänder markierte Hauptfahrspur mit bei im Bedarfsfall überfahrbaren Seitenräumen, erfordert in Anlehnung an das Konzept des shared space die gegenseitige Rücksichtnahme. Entlang der Fahrspur werden Längsparkplätze angeordnet.

Der Bushaltepunkt wird auf den östlichen Platz des heutigen Finanzamtes verlegt. Eine durchgängige Baumreihe begleitet den leicht vertieft gelegenen Henne-Boulevard. Die flachen Stufen bilden eine subtile Grenze zwischen der Uferpromenade und dem Straßenraum, gleichzeitig dienen sie als attraktiver Sitz- und Aufenthaltsbereich am Wasser. Rampen an den Einstiegspunkten und jeweils in der Mitte der Ufertreppe sorgen für eine durchgängige Barrierefreiheit in den Laufachsen.

Ein über Stufen erreichbares, ca.1 m über dem Wasser gelegenes, öffentliches Uferdeck ermöglicht den Aufenthalt im direkten Kontaktbereich zum Wasser. Ein weiteres, auf dem Niveau des Boulevards angeordnetes Holzdeck, verbessert die Zugänglichkeit östlich der Henne.

Die Henne-Brücke wird zum verbindenden Gelenkpunkt in der Platzsequenz Sparkassenvorplatz / Winziger-Platz / Von-Stephan-Straße. Die Plätze werden zu Kristallisationspunkten des öffentlichen Lebens: In Anlehnung an den vorhandenen Baumbestand auf dem Platz an der Von-Stephan-Straße wird auch der Winziger Platz durch ein lichtes Baumdach überstellt und zum repräsentativen, lebendigen Vorfeld der Stadthalle. Ein Wasserband und Kinderspielmöglichkeiten laden zum Verweilen ein. Von hier aus weisen Baumreihen den Weg ans Wasser und verknüpfen die innerstädtische Platzsequenz auf Höhe der Stadthalle mit dem Ruhrufer und der Ruhr-Promenade.

Ruhr-Promenade / Ruhrbrücke
Die Ruhr-Promenade wird zum Entree und Aushängeschild für die Innenstadt Meschedes: Eine Eschen-Allee bildet eine neue grüne Stadtkante zur Ruhr und schafft eine durchgehende, attraktive Flanier- und Fahrradmeile am Wasser. Die nördlich der Fritz-Honsel-Straße geführte breite Uferpromenade ermöglicht weite Ausblicke auf die Flusslandschaft; Aufenthaltsmöglichkeiten und Rastmöglichkeiten am Wasser begleiten sie. Die nahe der Ruhrbrücke gelegene Grünfläche wird zum kleinen Uferpark: Robuste Sitzstufen und ein Holzpodest (Anordnung unter Berücksichtigung des Hochwasserdurchstromprofils) führen zum Wasser. Schatzsucher und Kinder können auf wackelnden Spielpodesten Seeluft schnuppern. Der vorhandene Baumbestand wird als Qualität gesehen und erhalten. Die Ruhrbrücke wird zum linearen Platz über der Ruhr. Großzügige Bänke bieten dort Aussichts- und Ruhemöglichkeiten. Im Norden und Süden befinden sich großzügige Auftaktplätze, die zum Vermittler zwischen Stadt- und Flusslandschaft werden.

Bei der zukünftigen Nutzung einer Neubebauung auf dem Grundstück des Finanzamtes könnte neben Einzelhandel und Dienst-leistungseinrichtungen, ein gastronomischer Schwerpunkt das Stadtbild an der Ruhr-Promenade beleben und die Attraktivität für Fahrradtouristen steigern.

Materialität
Der Entwurf beschränkt sich auf wenige aber dauerhafte Materialien. Die Wege- und Straßenbeläge sollen in einem hochwertigen Betonsteinpflaster, der Promenadenbereich an der Henne in wassergebundener Decke ausgeführt werden. Helle Pflasterbänder und Flachborde betonen und zonieren den Straßenraum und geben dem Fahrverkehr Orientierung. Für die Stadtmöbel soll vorrangig Holz eingesetzt werden.

Ausstattung, Beleuchtung
Der öffentliche Raum soll eine neue, einheitliche Möblierung erhalten. Um Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen, wird eine Familie von Holzbänken gestaltet, die sowohl als Sitzauflagen im Bereich der Ufertreppe als auch als eigenständige Holzbänke mit oder ohne Rückenlehne verwendet werden kann. Die Möbelfamilie lässt sich flexibel im weiteren Verlauf des Henne-Boulevards Richtung Hennesee einsetzen. Im Uferpark laden Sitzstufen und ein Holzdeck zum Betrachten des Wassers ein.

Die Beleuchtungskörper sollen ebenfalls ein einheitliches Bild aufweisen: Die Linearität des Henne-Boulevards wird durch Lichtstelen betont. In den Straßenräumen und entlang der Ruhrpromenade werden Mastleuchten mit einer niedrigen Lichtpunkthöhe verwendet. Bodenstrahler leuchten die Baumdächer auf den Platzflächen stimmungsvoll aus. Zusätzlich akzentuieren Bodenstrahler einzelne Bäume und wichtige Gebäude. Der Flusslauf der Henne wird durch „leuchtende Kiesel“ im Flussbett und die Ausleuchtung der historischen Ufermauern künstlerisch in Szene gesetzt und sorgt für eine attraktive Inszenierung des Wassers in den Nachtund Abendstunden.