Stadtpark – Zweiter Preis

RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn

Der Hennepark bildet einen Freizeit- und Erholungsraum mit Parkcharakter. Der Fluss der Henne vom Hennesee bis in die Innenstadt erhält hier eine Aufweitung. Der Ort fungiert für Fußgänger und Radfahrer als Auftakt zur Innenstadt. Diese Funktion wird auch durch den nördlich angrenzenden großen Kreishausparkplatz unterstütz. Es entsteht das Bild eines Stromes von Wasser und Wegen, die sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten in den Raum bewegen und ihn mit ihrem mäandrierenden Lauf ausfüllen. Sie teilen sich auf, um sich in der Stadt wieder auf ein Minimum zu verbinden und von hier aus geradlinig weiter zu fließen. Aufenthaltsorte sind als Zäsuren im natürlichen Verlauf konzentriert. Sie haben die Form von Stegen, die die Mäander und die Zwischenräume auf kürzestem Wege verbinden. Die beiden Flussufer werden zu einem Raum zusammengezogen. Hier konzentrieren sich die Funktionen, es entstehen Gespräche, Kontakte, Spielfreundschaften und Nachbarschaften zwischen Schulwegen, Wanderungen und Spaziergängen.

Wegeverbindungen
Der Henne- Boulevard teilt sich am Kreishaus, durch die neue Fußgängerbrücke, und an der Schlotwegbrücke in einen Rad-und Fußweg (Abzweigung des Ruhrtal Radweges) und einen reinen Fußweg auf. Beide Wege werden durch unterschiedliche Beläge, wassergebundene Wegedecke bzw. den bestehenden Plattenbelag, in ihrer Funktion unterstützt. So bleibt auch eine klare Orientierung ohne Beschilderung gewährleistet. Der Wegestrom Teilt sich in unterschiedliche Geschwindigkeiten und verbindet sich wieder.

Stege und Aufenthaltsbänder
Durch kleine gebaute Unterbrechungen des zusammenhängenden Landschaftsraumes, entstehen Verzögerungen, Orientierungspunkte und Verknüpfungen. Die Brücken, Stege und Aufenthaltsbänder bilden Kultur-, Freizeit- und Erlebnisangebote am Rande des Weges und lassen den Weg kurzweilig erscheinen. Mit verschiedenen Schwerpunkten in der Gestaltung werden sie unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht, so entstehen generationsübergreifende Zielpunkte und Verweilorte für Kinder, Erwachsene und Senioren. Durch die Konzentration auf einzelne Orte und die barrierefrei Ausgestaltung bleibt der Landschaftsraum für den Spaziergänger und den Nutzer der Rasenflächen erhalten.

Die Stationen orientieren sich an den landschaftlichen Potentialen. Nördlich des Henneparkes liegt die Brücke zum „Schwarzen Viertel“ mit den ältesten Gebäuden der Innenstadt. Zwischen Henne und der Beringhauser Straße, südlich des neuen Fußgängersteges, liegt das Spielband mit Wasserspiel, Sitzgelegenheiten, Zugang zum Wasser und abgetrenntem Niedrigwasserbereich mit geringer Durchflussgeschwindigkeit, der in den Sommermonaten als zusätzlicher Spielbereich genutzt werden kann. Das Band mit den Funktionen Erholung, Ausblick und Fitness liegt im Bereich der alten Staustufe, hier kann im Zuge des Rückbaus eine Flussaufweitung stattfinden. Im Anschluss des Steges an die Mauer des Jüdischen Friedhofes, bietet ein kleines Hinweisschild Information und die Möglichkeit des Gedenkens. Der Steg im Osten macht die Tier und Pflanzenwelt der Teiche erlebbar, gleichzeitig entsteht ein Raum für Rückzug und Regeneration. Angrenzend an das Kreishaus werden durch Kneipmöglichkeit und Fitnessgeräte Bedürfnisse der körperlichen Fitness erfüllt. Die bestehende Fußgängerbrücke wird durch Rampenanlagen Barrierefrei gestaltet. In Richtung Emhildis Grundschule steht das Funktionsband unter dem Thema Schüler und Jugendliche.

Ökologischer Umbau des Gewässers
Die bestehende Wehranlage wird durch eine naturnah gestaltete Rampe (Rauschenstrecke o. glw.) ersetzt. Hier sind umfangreichere Erd- und Wasserbau-Arbeiten an Uferböschungen und im Sohlbereich der Henne erforderlich. Sohle und Böschungen müssen hinsichtlich der bei Hochwasser auftretenden Kräfte lagestabil bemessen sein; der Niedrigwasserabfluss wird zur Gewährleistung der Passierbarkeit für Fische und Kleinstlebewesen in einer Niedrigwasserrinne zusammengefasst.
In den ober- und unterwasserseitig angrenzenden Bereichen werden weniger umfangreiche Erd- und Wasserbau-Arbeiten umgesetzt. Prallufer werden zum Teil punktuell mit Wasserbausteinen gesichert. An den Gleitufern ist die Ansiedlung von ökologisch hochwertigen Uferstauden vorgesehen.
Im Zuge der Ufergestaltung werden punktuelle Zugänge zum Wasser mit verschiedenen Themenschwerpunkten geschaffen. Die Teiche erhalten eine natürliche Wasserspeisung und einen attraktiven Staudensaum.

Der geplante Steg über die Henne im Bereich des Spielhauses am nördlichen Rand des Planungsraumes soll als frei-tragende Stahl-Holz-Konstruktion ausgeführt werden. Die barrierefrei angebundene Konstruktion befindet sich innerhalb des Hochwasser-Abflussquerschnittes. Um den Abfluss bei Hochwasser nur minimal zu behindern sollen die beidseitigen Geländer mechanisch oder elektrisch in Fließrichtung des Gewässers (nach Norden) horizontal umgeklappt und nach Ablauf der Hochwasserwelle wieder in die Senkrechte aufgestellt werden. In diesem Zeitraum muss der Fußweg zeitweise gesperrt werden.

Vegetation
Durch das Vegetationskonzept entsteht eine Lichtungsaufweitung mit den Bestandsteichen als Zentrum. attraktive Staudenbänder mit Wildstaudencharakter, Wasserwildstauden und Gräserbänder unterstützen den Stadtparkcharakter. Sie gliedern den Raum in gut einsehbare Teilbereiche. Der öffentliche hochwertige Charakter bleibt erhalten, wodurch Vandalismus und einem verantwortungslosen Umgang mit den Parkelementen vorgebeugt werden soll. Der angrenzende Gehölzsaum wird von Unterholz befreit so entsteht anstatt des Dickichts, ein auch zum Kinderspiel nutzbares Baumdach. Eine Abgrenzung zur umliegenden Nachbarschaft ist gewährleistet.

Ausstattung
Die Ausleuchtung des Geländes erfolgt durch Lichtpunkte am Rand der Funktionsbänder und wird durch Zwischenpunkte Ergänzt. Im Gesamten Verlauf der Henne bilden so alle Übergänge oder Aufenthaltsorte Lichtpunkte, wodurch das Prinzip von Konzentration und Durchfluss unterstützt wird. Die Bereiche unter der Brücke könnten durch eine Kunst-Lichtinstallation aufgewertet werden. Im Hinblick auf das Gesamtkonzept ist eine robuste Ausstattung mit gleichzeitig romantischem Charakter angedacht, die sowohl den städtischen als auch den landschaftlichen Raum aufwertet.

Verflechtungsbereich
Die Parkplatzsituation wird nach Norden unter die Brücke der Remblinghauser Straße
zugunsten der Durchgängigkeit des Henne- Boulevards erweitert. Entlang der Henne entsteht ein attraktiver Weg, der durch eine Baumreihe vom Parkplatz abgegrenzt wird. Der Abstand zur Henne ermöglicht eine naturnahe Uferbereichgestaltung.